Mit dem Rucksack an die Ostsee

Es sollte eine Urlausreise an die Ostsee werden. Ich hatte gerade einmal ein halbes Jahr als Elektriker gearbeitet und der Verdienst war recht schmal. Ein eigenes Auto hatte ich nicht, also blieben nur die Bahn oder Trampen per Anhalter übrig. Mit dem Reisen per Anhalter hatte ich bereits Erfahrungen gesammelt, also entschied ich mich für diese Variante. Schließlich war sie die billigere Alternative und man bekommt auch mehr von Land und Leuten zu sehen. Damals war man noch nicht so ängstlich und es passierte den Anhaltern und den Leuten, die Anhalter mitnahmen nie etwas. Meine erste Etappe führte mich von Lübbenau nach Berlin. Es war zwar nicht ohne, sich an die Autobahn zu stellen, denn leicht konnte man von der Polizei gekascht und eventuell mit einem Bußgeld belegt werden. Jedenfalls war ich in knapp zwei Stunden in Berlin und durchquerte die Stadt bis Oranienburg mit der S-Bahn. Weiter ging es diesmal über Landstraßen via Fürstenberg und Neustrelitz nach Neubrandenburg. Das Wetter war herrlich und ich konnte bei meiner Rast am Straßenrand mit einem Blick auf einen der vielen Seen der Mecklenburger Seenplatte die Landschaft genießen. Aus meinem Rucksack holte in die noch am frühen Morgen angerichteten belegten Brote und meine Thermosflasche mit Tee. Die frische Luft machte Appetit und die Brote schmeckten hier draußen um so besser. Dann hieß es aber wieder Daumen hoch. Hier im tiefsten Mecklenburg war der Verkehr doch nicht so dicht und ich musste lange warten, bis wieder ein Auto für mich hielt. Über Malchin gelangte ich schließlich nach Teterow. Die Sonne näherte sich schon langsam dem Horizont, als tatsächlich noch ein Wagen anhielt und mich mit nach Rostock nahm. Mit der Rostocker S-Bahn fuhr ich sofort nach Warnemünde, denn an diesem Abend wollte ich unbedingt noch das Meer wenn schon nicht sehen, so doch wenigstens hören und riechen.

Ich verbrachte zwei wunderschöne Wochen an der Ostseeküste. Zwar wusste ich morgens noch nicht, wo ich mein müdes Haupt des Abends betten würde, aber es fand sich immer eine Lösung. Manchmal schlief im Strandkorb, dann wieder lernte ich Studenten kennen, bei denen ich einige Nächte im Wohnheim schlafen konnte. Schließlich traf ich ein nettes Mädchen, mit dem ich im Meer badete. Wir fanden uns gegenseitig ziemlich nett und sie sorgte auch dafür, dass ich einen äußerst angenehmen Schlafplatz bekam (grins). Lange blieben wir auch nach meinem Urlaub noch in Verbindung. Dieser Urlaub mit dem Rucksack war mein erster Urlaub, den ich auf eigene Faust unternahm, aber er wird als einer der schönsten in meiner Erinnerung haften bleiben.